Die Krise der Jugend: eine erschreckende Realität
Von Nicolas TUDORT
Um sich zu beruhigen, nennt man dies diskret Delinquenz, wie etwa den Diebstahl eines Fahrrads. Eine Bezeichnung, die weniger schwer wiegt als ein Verbrechen. Dennoch wurden im Jahr 2024 57 Personen unter 25 Jahren mit einem Messer oder einem scharfen Gegenstand ermordet.
All diese Fälle und Morde werden uns so schnell nicht aus dem Gedächtnis gehen. Im vergangenen Januar wurde ein 14-jähriger Teenager in Évreux (Eure) erstochen. Der mutmaßliche Angreifer, ein 16-jähriger Junge, wurde in Polizeigewahrsam genommen. Einer der Jugendlichen, die verdächtigt werden, Élias den tödlichen Messerstich versetzt zu haben, hat die Tat gestanden.
Mitten im Zentrum von Marseille, Nicolas, 14 Jahre alt, erhielt einen tödlichen Messerstich ins Herz, niedergestochen von einem anderen Teenager ohne ersichtlichen Grund. Khtab, sechzehn Jahre alt, wird wegen dieses Mordes 10 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbringen. In Nantes wurde ein 15-jähriges Mädchen in ihrem Klassenzimmer des Lycée Notre Dame getötet. Der festgenommene Verdächtige wurde in die Psychiatrie eingewiesen.
Die Untätigkeit angesichts eines alten Problems
Bereits im Jahr 2003 wies der Sénat auf dieses öffentliche politische Thema hin. Welche Maßnahmen wurden seither ergriffen? Offenbar keine! Die Krise der Jugend ist ein komplexes Phänomen, sowohl in seinen Ursprüngen als auch in seinen Erscheinungsformen. Angesichts der vielfältigen Aspekte des Problems müssen die Behörden ihr Handeln auf die Prävention und die Bewältigung von relativ gut identifizierten Risikoverhaltensweisen ausrichten.
Die Jugend, eine Übergangszeit voller physischer und psychischer Veränderungen, ist das Alter der Fragilität. Leider wird die Betreuung den Bedürfnissen bei Weitem nicht gerecht. Im jüngsten Bericht des Institut national de la santé et de la recherche médicale über psychische Störungen heißt es: „La prévalence des troubles mentaux communs (y compris les troubles des conduites) varie de 5 à 25 % et la moyenne des taux effectuée à partir des résultats de 49 enquêtes a été estimée à 12,5 %“.
Demnach leidet jedes achte Kind an einer psychischen Störung, bei Jugendlichen ist es jeder fünfte. Es handelt sich überwiegend um emotionale und Verhaltensstörungen.
Ein Appell an die Verantwortung und das Gesetz
Es hat sich der Gedanke verbreitet, dass mittlerweile alles erlaubt und gefahrlos sei, selbst das absolut und grundlos Schreckliche! Man glaubt, das grausamste aller Verbrechen zu begehen, berge keinerlei Gefahr! Natürlich ist das falsch! Es ist daher an der Zeit, den richtigen Kurs wieder einzuschlagen und auch den Kindern in Erinnerung zu rufen, dass es Regeln gibt, die zu akzeptieren und einzuhalten sind.
Denn auch wenn die Angst vor einer Strafe nicht ausreicht, um jede böswillige Absicht im Keim zu ersticken, so lähmt sie doch eine Vielzahl von ihnen und rettet somit das Leben zahlreicher unschuldiger Menschen.
Die L'ordonnance de 1945 sur l'enfance délinquante (fälschlicherweise so genannt, da diese Kriminellen nur den Anschein von Kindern in ihrem Personenstand haben) ist für die traurige Realität unserer Zeit ungeeignet geworden. Dieser Text muss dringend geändert werden.
Bernard Bertucco Van Damme