Das SCAF-Programm (Système de combat aérien du futur), ein symbolträchtiges Projekt der deutsch-französischen Verteidigungskooperation, dem sich Spanien angeschlossen hatte, wird eingestellt. Dieser abrupte Stopp beendet jahrelange industrielle Spannungen und politische Blockaden, trotz der Bemühungen von Präsident Emmanuel Macron, diese Säule der europäischen strategischen Autonomie zu retten.
Ein unlösbarer Governance-Konflikt
Im Zentrum des Scheiterns steht ein unlösbarer Governance-Konflikt zwischen den beiden Hauptauftragnehmern Dassault Aviation und Airbus. Während Dassault, gestützt auf seine historische Expertise, die Führung der Säule Kampfflugzeug (New Generation Fighter – NGF) erhielt, macht Airbus, das die deutschen und spanischen Interessen vertritt, zwei Drittel des Gesamtprogramms aus. Diese vom französischen Hersteller als unausgewogen empfundene Aufteilung hat einen positiven Fortschritt des Dossiers gelähmt.
Diese unflexible Haltung verdeutlicht die Weigerung von Dassault, seine Führungsrolle verwässert zu sehen. Trotz einer gemeinsamen Vermittlung durch Emmanuel Macron und Friedrich Merz zeigten sich die beiden Industriepartner unversöhnlich.
Infolgedessen blieb das Programm in der Phase 1B (technologische Studien) stecken, ohne jemals die für die Entwicklung eines Demonstrators entscheidende Phase 2 einzuleiten.
Aufseiten von Airbus hat der Konzern stets die Einhaltung der ursprünglichen Vereinbarungen gefordert und einen Status als bloßer Subunternehmer von Dassault abgelehnt. Der Vertrauensbruch scheint total zu sein, wie ein Schreiben von Michael Schoellhorn, dem Chef von Airbus Defence & Space, an den Élysée zeigt.
Deutschland bereit zum Alleingang
Diese industrielle Sackgasse fällt mit dem Willen Deutschlands zusammen, einen Alleingang zu wagen und massiv in seine Verteidigung zu investieren. Berlin, das im Jahr 2025 rund 86 Milliarden € für diesen Sektor aufgewendet hat, strebt an, bereits 2026 die 100-Milliarden-Grenze zu überschreiten und bis 2029 jährlich fast 153 Milliarden € zu erreichen. Ein kolossales Budget, das eine nationale oder alternative Lösung finanzieren könnte.
Die Frage der Führung laut Dassault
Bei der Vorstellung der Jahresergebnisse 2025 seines Konzerns hatte Eric Trappier die Vorwürfe der Nichteinhaltung vertraglicher Verpflichtungen zurückgewiesen und die Debatte wieder auf die Frage der Führung gelenkt. Er erinnerte daran, dass das Projekt auf einer französischen Führungsrolle und einer Generalunternehmerschaft von Dassault für den NGF beruhe, eine von den drei Regierungen validierte Architektur.
Der CEO argumentierte, dass ein Programm dieser Größenordnung „einen echten Leader“ benötige, und warf Airbus vor, die ursprüngliche Vereinbarung nicht zu respektieren.
Das Know-how von Dassault, das sich vom Flugzeug Ouragan in den 1950er Jahren bis zum weltweiten Erfolg des im Alleingang entwickelten Rafale bewährt hat, ist sein Hauptargument. Das Scheitern von SCAF besiegelt einen Rückschlag für die Autonomie und Effizienz der europäischen Verteidigung.
Bernard Bertucco Van Damme