Der Mann allein, im Zwiegespräch mit dem Publikum
Am 13. Mai lieferte Fred Guittet auf der place de l’horloge ein ergreifendes Solostück über das Leben des Obdachlosen Pilo.
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Das Publikum war am 13. Mai auf der place de l’horloge zahlreich erschienen, um einen schwebenden und bewegenden Moment des Theaters und der Menschlichkeit zu erleben.
Ein kraftvolles Solostück, gewebt aus echten Lebensmomenten, veredelt durch das messerscharfe Spiel von Fred Guittet. Die Geschichte? Die von Pilo, einem Obdachlosen, der bereit ist, sein Leben preiszugeben, von der Bank aus, auf der er eingeschlafen ist, zwischen zwei Pausen, zwischen zwei Städten.
Mehr als eine Stunde geteilter Zeugnisse mit rauer und heiserer Stimme, die die Zuschauer fesselt, die schweigend und fast andächtig nur wenige Meter von dem ergreifend wahrhaftigen Schauspieler entfernt sitzen.
Eine Wahrheit, die auf den Aussagen von Menschen aufbaut, denen der Regisseur Seb Lanz bei nächtlichen Streetwork-Einsätzen in den Straßen von Lyon begegnet ist. Eine Wahrheit, die an die Figur des Saint-François d’Assise erinnert, insbesondere in Le Très Bas von Christian Bobin, das die Theatermacher inspirierte. Letztere wollten diese Entbehrung würdigen, die dem Philosophieren keineswegs im Wege steht, ganz im Gegenteil.
SCHICKSALSSCHLAG
Dieser Schicksalsschlag wird mit dem unbändigen Willen angenommen, einer ramponierten Existenz Würde zu verleihen und die anderen in ihren voreingenommenen Vorstellungen abzuholen. Ein Aufschrei des Herzens, der jenen Entrechteten eine Stimme gibt, die allzu oft am Rande stehen, anonymisiert und zum Schweigen verdammt sind.
Die Truppe fasst es so zusammen: „Dieses Stück ist aus einem wohlwollenden Blick heraus entstanden, und das spürt man. Kein Elendsvoyeurismus, sondern viel Zärtlichkeit“.
Nach der Vorstellung bestätigt Fred Guittet: „Als Sammler von Lebensberichten habe ich mich von der Würde einiger Menschen inspirieren lassen, wie Samir in Avignon, der mittellos, aber sehr würdevoll und sehr elegant war. Die Idee is, die gnadenlose Gewalt der Straße in eine Poesie zu verwandeln, die daran erinnert, wie wichtig es ist, zuzuhören und innezuhalten. Eine Stunde für ein Leben ist wenig, aber es kann viel bewirken“.
BESONDERE NOTE
Dieser originelle Ansatz spiegelt sich in der Form des Solostücks selbst wider, das als Gelegenheit des Umherziehens und des Teilens gedacht ist, als Spiegelbild des Umherziehens der Bettler, die im Text gewürdigt und ins Rampenlicht gerückt werden.
Unterbringung bei Privatleuten, Aufnahme durch lokale Theaterkompanien, die sich um die Suche nach einem Spielort kümmern, freie Beteiligung – all diese Aspekte führen das gelebte Erlebnis fort und verleihen ihm eine besondere Note.
Das Ziel ist es, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, über den bloßen Rahmen eines Solostücks und die bequeme Haltung des Zuschauers hinauszugehen, um ein nachhaltiges Nachdenken anzustoßen.
Pilos finaler Abgang von der Bühne, abrupt und ohne Ankündigung, ergriff die Zuschauer, die einen Moment brauchten, um zu applaudieren, wie aus der Fassung gebracht. Diese Emotion wurde von mehreren von ihnen während des anschließenden Publikumsgesprächs zum Ausdruck gebracht.
In Alltagskleidung amüsierte sich Fred Guittet über diese Schwebephase, die sich für Diskussionen eignete, mit dem Obdachlosen ganz in der Nähe, manchmal nur wenige Zentimeter entfernt, der nun als greifbarer Schauspieler zurückkehrt. Dieselbe Stimme, andere Haltung.
Ein einsamer Mann inmitten anderer, wie ein Appell, die Einsamkeit zu durchbrechen und die Hand auszustrecken.
Foto PRESSE AGENCE.