Der Philosoph Nietzsche, offenbart durch seine Musik
Ein Gesprächskonzert untersuchte kürzlich das verkannte musikalische Werk von Nietzsche im Zusammenhang mit seiner Philosophie.
Jenseits seiner Schriften, die das westliche Denken erschütterten, war Friedrich Nietzsche (1844-1900) war auch ein leidenschaftlicher Komponist.
Diese verkannte Facette des Philosophen des 19. Jahrhunderts wurde kürzlich in einem Gesprächskonzert beleuchtet, das von der Pianistin Florence Schaaff und dem Nietzsche-Experten Philippe Granarolo gestaltet wurde. Die Veranstaltung bot ein immersives Eintauchen in das musikalische Universum des Autors, in Resonanz mit seinen Grundkonzepten wie der ewigen Wiederkunft oder dem Amor Fati.
Zwischen Musik und Philosophie
Für Florence Schaaff ist diese Veranstaltung der Höhepunkt eines langen persönlichen und intellektuellen Weges. Geboren in Le Revest-les-Eaux und im Alter von 8 Jahren in das Klavierspiel eingeführt, absolvierte sie eine klassische Ausbildung am Konservatorium von Toulon, bevor sie ein Musikwissenschaftsstudium an der Université d’Aix-en-Provence und anschließend an der La Sorbonne absolvierte.
Heute arbeitet sie als Klavierlehrerin und pädagogische Koordinatorin und hat stets eine Leidenschaft für die Philosophie gehegt. Diese doppelte Sensibilität führte sie dazu, das musikalische Werk von Nietzsche zu erforschen, ein reiches Korpus, das jedoch oft im Schatten seiner philosophischen Schriften stand.
Florence Schaaff teilte ihre Entdeckung eines produktiven Komponisten Nietzsche, dessen Schaffen sich vom 9. bis zum 38. Lebensjahr erstreckte. Auch wenn seine schönsten Stücke aus seiner Jugend im Alter zwischen 18 und 20 Jahren stammen, zeugt sein Repertoire von einer gewissen künstlerischen Ambition, die von Oratorien bis zur Kammermusik reicht.
Aufgewachsen in einem musikalischen Umfeld, profitierte Nietzsche sehr früh von einem von seiner Mutter gekauften Klavier. Diese Unterstützung war jedoch von kurzer Dauer, da sie ihn in der Folge drängte, eine Laufbahn als Pfarrer einzuschlagen, fernab seiner künstlerischen Bestrebungen.
Durchkreuzte Leidenschaft
Die Forschungsarbeit von Florence Schaaff war beträchtlich. Sie musste das gesamte, verstreute musikalische Werk zusammentragen und in die Biografie des Philosophen eintauchen, um die Gründe für diese fortschreitende Abkehr vom Komponieren zu verstehen.
Sie zeigte auf, wie die scharfe Kritik von Musikgrößen wie Richard Wagner oder Johannes Brahms den jungen Nietzsche zutiefst entmutigte und ihn davon überzeugte, seine ursprüngliche Leidenschaft aufzugeben.
Während der Konferenz ermöglichte die Anwesenheit von Philippe Granarolo, einem anerkannten Nietzsche-Spezialisten, eine präzise philosophische Beleuchtung der von Florence Schaaff live interpretierten Kompositionen. Diese Synergie bot dem Publikum ein einzigartiges Erlebnis.
Nächster musikalischer Termin
Für diejenigen, die das musikalische Universum des Philosophen näher entdecken möchten, ist bereits ein Konzert geplant. Das Quartett „Apollinien et Dionysiaque“ wird am 24. April 2027 im Théâtre de l’Escale in La Garde auftreten.
1 Stunde und 45 Minuten lang wird das Publikum zu einer Reise in das Herz der schönsten Musikstücke eingeladen, die von einem der einflussreichsten Denker der Geschichte komponiert wurden, was eine neue Perspektive auf sein schöpferisches Genie eröffnet.
Foto DR.