Brände sagen uns etwas über Frankreich. Doch man muss es auch hören wollen.
Brände zerstören Wälder. Sie offenbaren auch eine Nation.

Krisen besitzen eine Tugend, die Zeiten der Ruhe nicht kennen: Sie schaffen Allüren ab. Sie unterwerfen Worte der Prüfung der Tatsachen. Sie zeigen, was standhält, wenn alles wankt. Eine Krise offenbart immer zwei Dinge: was ein Land bedroht … und was es rettet.
Seit mehreren Jahren erzählt unsere öffentliche Debatte dieselbe Geschichte: jene einer Gesellschaft, die sich fragmentiert, eines Individualismus, der zur Regel geworden ist, einer Republik, der es nicht mehr gelingt, Gemeinsames zu stiften. Wir verbringen viel Zeit damit, zu beobachten, was zerfällt. Dann bricht das Feuer aus. Und diese Erzählung bekommt Risse.
Ein anderes Frankreich erscheint. Ein schweigsames Frankreich. Ein Frankreich, das nicht polemisiert, weil es handelt. Das Frankreich der Feuerwehrleute, ob Berufs- oder Freiwilligenkräfte. Das der Bürgermeister, die organisieren, der CCFF, die wieder ihre orangefarbene Kleidung anlegen, der Landwirte, die ihre Mittel bereitstellen, der Vereine, die aufnehmen, der Unternehmen, die ihre engagierten Mitarbeiter freistellen, der Einwohner, die evakuierten Familien ihre Türen öffnen. Diese Mobilisierung ist nicht improvisiert. Sie entspringt nicht dem Gefühl. Sie offenbart eine tiefere Realität: Unser Land besitzt noch immer ein immenses Kapital an kollektiver Verantwortung.
Wir haben schließlich eine Offensichtlichkeit vergessen: Eine Nation hält primär durch eine Verantwortungsgemeinschaft zusammen, noch vor einer Summe administrativer Kompetenzen. Der Staat ist unerlässlich. Dennoch wird er niemals genügen. Denn keine Verwaltung, so leistungsfähig sie auch sein mag, wird jemals eine Gesellschaft ersetzen, die bereit ist, ihren Teil der Verantwortung zu tragen.
Das Pflichtbewusstsein ist nicht verschwunden. Das Engagement ist nicht verschwunden. Die Solidarität ist nicht verschwunden. Sie existieren immer noch, fernab des Lärms, fernab der Allüren, dort, wo sich das Wesentliche entscheidet.

Hier beginnt die Politik.
Brände sind keine außergewöhnlichen Notfälle. Sie sind zu einem dauerhaften Risiko geworden, das das gesamte Land betrifft. Ein solches Risiko lässt sich nicht allein mit den Reflexen des Notfalls beherrschen. Es verlangt nach einer dauerhaften Organisation des Schutzes unseres Staatsgebiets.
Die Souveraineté beginnt hier. In der Fähigkeit einer Nation, die Ihren zu schützen, ohne von anderen abzuhängen. Jene auszubilden, die sich engagieren. Die Ausrüstung zu produzieren, die sie benötigt. Vor der Katastrophe zu investieren statt danach. Unser Modell des Ehrenamts zu verteidigen, unsere Luftflotte zu stärken, einen französischen und europäischen Industriezweig für Zivilschutz zu entwickeln: Dies sind keine bloßen Branchenpolitiken mehr. Es sind fortan Entscheidungen der Souveränität.
In der Prüfung tritt eine Offensichtlichkeit wieder zutage. Die Republik hört auf, ein institutionelles Gefüge zu sein. Sie wird wieder zu einer Kette der Verantwortung. Der Bürgermeister schützt, das Département setzt die Rettungskräfte ein, die Region mobilisiert ihre Mittel, der Staat koordiniert. Jeder behält seinen Platz. Jeder macht den anderen stärker.
Wir widmen viel Energie dem Reparieren dessen, was zerbricht. Das ist notwendig. Doch die primäre politische Verantwortung liegt andernorts: das zu schützen, was noch immer die Stärke des Landes ausmacht. Engagement ist ein nationaler Reichtum. Es lässt sich nicht verordnen. Es überträgt sich. Es wird anerkannt. Es wird geschützt.
Das Feuer zerstört die Bäume. Es offenbart auch die Wurzeln. Die unsichtbaren Wurzeln Frankreichs sind weder aus Stein noch aus Stahl.
Sie bestehen aus Engagement, Verantwortung und jener zutiefst französischen Überzeugung, dass das Gemeinwohl auch unsere Angelegenheit ist.
François de Canson, maire de La Londe-les-Maures