27.07.2026

Anstieg von Krebserkrankungen: Lebensweise mehr verantwortlich als Pestizide

Trotz sinkender Pestizidnutzung haben sich Krebserkrankungen in France seit 1990 verdoppelt. Grund sind das Altern und unsere Lebensweise.

RGVon Rédaction Gazette du VarJournalist 15. Juni 2026 Lesezeit: 2 Min.
Hausse des cancers, les modes de vie plus en cause que les pesticides
Hausse des cancers, les modes de vie plus en cause que les pesticides© La Gazette du Var
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Die Feststellung mag überraschen und nährt ein hartnäckiges Vorurteil: Während die Zahl der Krebserkrankungen in France von rund 200.000 im Jahr 1990 auf heute fast 400.000 gestiegen ist, ist der Einsatz von als krebserregend eingestuften Pflanzenschutzmitteln im gleichen Zeitraum stark zurückgegangen. „Diese statistische Diskrepanz verleitet oft zu voreiligen Schlüssen und legt nahe, die Ursachen für diese Explosion der Krankheit außerhalb der Landwirtschaft zu suchen. Eine genauere Analyse der Daten offenbart jedoch eine weitaus komplexere Realität, in der demografische und verhaltensbedingte Faktoren eine entscheidende Rolle spielen“, warnt der Gewerkschafter aus dem Var.

ALTERUNG UND LEBENSWEISE

Hausse des cancers, les modes de vie plus en cause que les pesticides

„Mehrere strukturelle Faktoren erklären diesen mechanischen Anstieg der Krebserkrankungen. Erstens ist die französische Bevölkerung seit 1990 um rund 20 % gewachsen, was die Zahl der potenziellen Fälle erhöht hat. Zweitens, und das ist ein wesentlicher Faktor, ist die Bevölkerung gealtert. Die Zahl der Menschen über 65 Jahre ist in diesem Zeitraum von 8 Millionen auf fast 15 Millionen gestiegen. Krebs bleibt jedoch eine stark altersabhängige Erkrankung, deren Häufigkeit mit der Lebenserwartung zunimmt“, stellt Max Bauer fest. Parallel zu diesen demografischen Entwicklungen hat sich die Lebensweise verändert. Während der allgemeine Rückgang des Tabak- und Alkoholkonsums einen Fortschritt für die öffentliche Gesundheit darstellt, hat eine andere Plage ein erhebliches Ausmaß angenommen: die Fettleibigkeit. Ihre Häufigkeit hat sich verdreifacht, von 6 % der Bevölkerung im Jahr 1990 auf fast 18 % heute. Fettleibigkeit ist als ein Hauptrisikofaktor für viele Krebsarten anerkannt. Während Pflanzenschutzmittel oft an den Pranger gestellt werden, lädt die gesundheitliche Situation der Landwirte, die ihnen am stärksten ausgesetzt sind, zu einer differenzierteren Betrachtung ein. Große epidemiologische Studien wie die französische Kohorte AGRICAN (AGRIculture & CANcer) zeigen, dass Landwirte eine um 5 bis 7 % geringere Krebsinzidenz aufweisen als die Allgemeinbevölkerung, über alle Krebsarten hinweg.

KURZE WEGE

„Dieses scheinbare Paradoxon lässt sich durch eine insgesamt gesündere Lebensweise erklären: weniger Rauchen, eine geringere Übergewichtsrate und mehr körperliche Aktivität. Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass die Landwirte, obwohl ihr Gesamtrisiko geringer ist, im Gegenzug für bestimmte spezifische Tumorarten überproportional anfällig sind, was genau beobachtet wird. Die Gesundheitsbehörden bestätigen, dass die Gesamtbelastung der Bevölkerung durch Pestizidrückstände seit 1990 nicht gestiegen ist“, erklärt der landwirtschaftliche Gewerkschafter. „Angesichts dieses Bildes zeigt sich, dass die wichtigsten Hebel zur Krebsprävention über die reine Frage der Landwirtschaft hinausgehen. Die Bekämpfung von Bewegungsmangel und Fettleibigkeit, die Förderung einer gesunden und ausgewogenen Ernährung sowie die Einschränkung von Risikokonsum (Alkohol, Tabac) sind die Prioritäten, um den Trend umzukehren. Anstatt die öffentliche Debatte auf die französische Landwirtschaft zu fokussieren, liegt die Herausforderung in einer kollektiven und individuellen Bewusstseinsbildung über die Auswirkungen unserer Lebensgewohnheiten auf unsere langfristige Gesundheit, indem beispielsweise kurze Vertriebswege und qualitativ hochwertige lokale Produkte bevorzugt werden“, schließt Max Bauer. •

Foto PRESSE AGENCE.