Mathilde FROMENT: „Man baut den Menschen ebenso auf wie das Bauwerk“ Sie antwortet auf...
Mathilde Froment ist stellvertretende Betriebsleiterin bei VINCI Autoroutes.

Sie haben mehrere Jahre lang eine große Autobahnbaustelle in einem dichten städtischen Gebiet geleitet. Was waren die ersten Schritte, die unternommen wurden, um den operativen Ablauf zu strukturieren?


Gleich nach meiner Ankunft wurde mir klar, dass dieses Projekt nicht nur aus technischer Sicht gesteuert werden konnte. Noch bevor ein Zeitplan erstellt wurde, mussten wir das Gebiet, seine Rhythmen und seine Erwartungen verstehen. In Toulon war die Aufrechterhaltung des Verkehrs von entscheidender Bedeutung. Wir haben sehr früh einen auf Verkehrsfragen spezialisierten Berater für die Bauherrschaft hinzugezogen, um die Verkehrsströme vorherzusehen und unsere Organisation an die Gegebenheiten vor Ort anzupassen.
Was war damals Ihre Rolle als stellvertretende Betriebsleiterin?
Sie bestand darin, das Bindeglied zwischen den drei Säulen der Baustelle zu sein: der Bauherrschaft, die wir verkörperten, der Bauleitung und der mit den Arbeiten betrauten Unternehmensgruppe. Dies erforderte viel Koordination, aber auch technische, organisatorische und menschliche Entscheidungen. Meine Rolle bestand darin, die Teams zu unterstützen, aber auch zu gewährleisten, dass alles im Einklang mit den Erwartungen des Staates voranschritt, der unser Konzessionsgeber blieb.
Wie sind Sie bei einem Projekt dieser Größenordnung mit dem Druck und dem Unvorhergesehenen umgegangen?
Der Druck war konstant. Mehr als 110.000 Fahrzeuge pro Tag, potenzielle Auswirkungen auf den gesamten Großraum Toulon, eine starke Aufmerksamkeit der gewählten Vertreter... Aber die grundlegende Zutat ist das Team. Wenn jeder an seinem Platz ist und Vertrauen herrscht, kann man selbst in den komplexesten Situationen Abstand gewinnen. Und man muss sich auch auf die Kommunen, die Präfektur und die Einzelhändler stützen. Sie haben uns geholfen, Terminfehler zu vermeiden und unsere Pläne an die lokalen Gegebenheiten anzupassen. Der regionale Dialog war ein wertvoller Hebel.
Sprechen wir nun über Ihren Führungsstil. Sie haben zum ersten Mal eine Führungsrolle übernommen. Was haben Sie gelernt?
Ich bin anspruchsvoll, vor allem mir selbst gegenüber, aber mir war es immer wichtig, ein menschliches Umfeld zu schaffen, in dem jeder frei sprechen kann. Von Anfang an habe ich dem Team gesagt, dass ich diese Führungsrolle erst noch entdecke und ein offenes Ohr für ihr Feedback habe. Es war mir wichtig, eine Dynamik des direkten Austauschs zu pflegen. Eine Kollegin sagte mir einmal: „Du verstehst es, einen klaren Rahmen zu setzen, wenn es nötig ist, aber abends kannst du auch mal ein Glas mit uns trinken gehen.“ Das fand ich passend. Für mich ist genau das die richtige Balance zwischen Autorität und Wohlwollen.
Hat diese Atmosphäre der Nähe geholfen, die kritischen Phasen der Baustelle zu überstehen?
Ja. Wir hatten einen echten Zusammenhalt, selbst in Zeiten der Anspannung. Jeder wusste, dass er sich auf die anderen verlassen konnte. Es gab natürlich hitzige Besprechungen und Momente des Unverständnisses. Aber immer mit dem gemeinsamen Ziel vor Augen. Und ich habe nie einen Tag mit einem Kloß im Magen begonnen. Diese Baustelle war trotz ihrer Komplexität auf menschlicher Ebene nie belastend. Sie war sogar zutiefst bereichernd.
Wie sieht es mit den persönlicheren Auswirkungen dieser Jahre aus?
Diese Baustelle war ein echter Wendepunkt für mich. Sie hat viel Zeit in Anspruch genommen, manchmal an meinen Wochenenden, meinen Abenden. Ich habe keine Kinder, was mir eine hohe Verfügbarkeit ermöglicht hat. Aber ich weiß auch, dass ich dank der Unterstützung meiner Angehörigen durchhalten konnte. Sie haben mir geholfen, abzuschalten, wenn es nötig war. Ich habe auch in der Region Var ein unerwartetes Gleichgewicht gefunden. Die Natur, das Radfahren, die Wanderungen: Das hat mir geholfen durchzuatmen. Diese Kombination aus starkem Engagement und persönlicher Atempause war wertvoll.
Sie sind in Ihrem Beruf mobil. Wie erleben Sie diese geografische Instabilität?
Es ist sehr bereichernd, aber auch sehr entwurzelnd. Man kommt in eine Stadt, knüpft Kontakte, schlägt Wurzeln. Und dann muss man wieder gehen. Das ist eine Lebensentscheidung, die man trifft, wenn man jung ist, die aber im Laufe der Zeit schwieriger wird. In Toulon habe ich mich am richtigen Platz gefühlt. Der Abschied hat einen Beigeschmack von glücklicher Nostalgie. Denn über das Bauwerk hinaus schließt sich damit ein Lebensabschnitt.
Und wenn Sie in einem Wort zusammenfassen müssten, was Sie diese Baustelle am meisten gelehrt hat?
Das Gleichgewicht. Das, welches man zwischen Strenge und Flexibilität, zwischen Anspruch und Zuhören findet. Diese Baustelle hat mir bestätigt, dass man ein Großprojekt tragen kann, ohne die Menschen aus den Augen zu verlieren. Und dass manchmal die Verbindungen, die man aufbaut, das Gebäude ebenso sicher zusammenhalten wie der Beton. •
Interview geführt von Pierre BEGLIOMINI Fotos VINCI Autoroutes.